Plastikdiät für den Garten

 

Plastik ist allgegenwärtig. Es ist in unserem Alltag, in unserer Umwelt und in unserer Nahrung. Noch wissen wir bei weitem nicht, was es dort bewirkt. Grund genug für eine zunehmende Zahl von Menschen, ihren Plastikkonsum zu überdenken und herunter zu fahren. Für uns Gartenbesitzer  kann das Anlass sein, auch mal den eigenen Garten anzusehen. Denn dort, wo Selbstversorger in der Erde wühlen, Familien kleine Paradiese schaffen und Naturgärtner Lebensräume entstehen lassen, findet sich oft erstaunlich viel Zeug aus oder mit Kunststoff.

 

Wo wollen wir hin? Ein plastikfreier Garten ist ein tolles Ideal, für die meisten Hobbygärtner aber eher unrealistisch. Kunststoff enthaltende Werkzeuge und Hilfsmittel sind einfach schon da und meist durchaus zweckmäßig. Sie funktionsfähig zu entsorgen und durch neue aus „korrekteren“ Materialien zu ersetzen, ist auch nicht nachhaltig. Und manchmal sprechen auch bei Neuanschaffungen gute Gründe für Kunststoff. Es geht also um den bewussteren Umgang mit Plastik im Garten und um das schrittweise Reduzieren: Plastikdiät eben. Dafür gibt es Rezepte, von denen wir im Folgenden einige zusammengestellt haben.

 

Vorhandenes aus Kunststoff wird weiter verwendet und pfleglich behandelt. Frostige Temperaturen setzen dem Material ebenso zu  wie UV-Strahlung und ggf. auch Mäusefraß. Hier verlängert entsprechender Schutz die Lebensdauer. Ist deren Ende dann erreicht, sollten die Teile aber rechtzeitig und sachgerecht entsorgt werden, ehe sie brüchig werden, zerfallen und sich in der Umgebung verteilen.

 

Wenn Kunststoff für Neuanschaffungen unverzichtbar erscheint, dann ist hochwertige, langlebige Qualität die bessere Wahl. Ein solides Doppelstegplatten-Gewächshaus oder Schutznetze, Folien und Vliese in Gärtnerqualität mit mehrjähriger Garantie oder ein wirklich stabiles Anzucht-Gewächshäuschen – all das kostet in der Anschaffung mehr Geld als Billigware, hält aber deutlich länger und macht auch im Betrieb mehr Freude.

 

Oder eben doch alternative Materialien wählen: Ein Gewächshaus aus Glas, Abdeckgaze aus Baumwolle zum Schutz vor Kälte und Insektenfraß. Anstelle von Mulchfolien aus Kunststoff, die dem Bodenleben schaden und irgendwann im Erdreich zerfallen, lassen sich alte Jutesäcke oder Jutevlies, Hanfvlies, Schafwollvlies, eine dicke organische Mulchschicht aus Häckselmaterial, Rasenschnitt oder Rindenmulch oder auch lebendige, schnell wachsende Bodendecker wie z.B. Kapuzinerkresse verwenden.

 

Auch die Weiterverwendung von Wegwerfkunststoff spart Ressourcen.  Für die eigene Anzucht von Blumen- und Gemüsepflänzchen kann man Joghurtbechern, Tetrapaks und anderen im Haushalt anfallenden Behältern eine neue Bestimmung geben (Abzugslöcher nicht vergessen!). Viele Gärtner verfügen auch über einen Fundus an Plastiktöpfchen von früheren Jungpflanzenkäufen, die man über Jahre weiterverwenden kann.

 

Ohne Kunststoff geht es mit kleinen Tontöpfen und mit Anzuchttöpfchen oder -tabletten aus abbaubarem Substrat, die mit ausgepflanzt werden (natürlich torffrei). Oder man sammelt und verwendet hierfür Papprollen und Eierkartons. Und wer gern selbst Hand anlegt, kann sich mit Werkzeug aus dem Biogarten-Handel für wenig Geld Erdballen zur Pflanzenanzucht pressen oder aus Zeitungspapier Töpfchen formen.

 

Alternatives Verbrauchsmaterial: Zum Hochbinden von Pflanzen kann man von Kunststoffklammern und kunststoffummanteltem Draht auf abbaubare Schnüre aus Jute oder Hanf umsteigen. Schilder zur Kennzeichnung der Aussaat in Töpfen oder im Beet müssen auch nicht aus Plastik sein, man kann hier z.B. auch flache Steine beschriften oder Bambusspieße aus der Haushaltswarenabteilung verwenden. Pflanzschildchen aus Holz gibt es auch direkt zu kaufen. Und wenn man die mitgelieferten Pflanzetiketten aus Kunststoff ins Beet gesteckt hat: absammeln, ehe sie vergammeln und im Erdreich verschwinden.

 

Ein unterschätztes Thema sind die Pflanztöpfe vom Frühjahrsblumen- und Jungpflanzenkauf.  Es sind Unmengen pro Jahr, und es sind in aller Regel Einwegprodukte, die aus technischen Gründen auch kaum recycelt werden können. Für ihren eigentlichen Zweck sind sie unschlagbar, so dass kaum  Alternativen angeboten werden. In Gärtnereien und auf Märkten werden aber mittlerweile häufiger Gemüsepflanzen nur im Erdballen angeboten. Geeignete Transportgefäße kann man mitbringen. Und fragen Sie in der Gärtnerei, ob gebrauchte Pflanztöpfe zurückgenommen werden - manche akzeptieren das, manche nicht. Auf jeden Fall ist es gut, das Problem anzusprechen.

 

Auch kann man sich die Frage stellen, ob es wirklich nötig ist, Jahr für Jahr all die vielen Wegwerfblumen in ihren Plastiktöpfen nach Hause zu tragen. Es lassen sich Blumentöpfe für draußen mit Blumenzwiebeln bestücken. Das geht auch in mehreren Etagen, die dann nacheinander blühen. Diese Anpflanzungen können mit wenig Pflege einige Jahre überdauern. Die Ungeduldigen können sich auch in der Treiberei von Zwiebelpflanzen für drinnen versuchen. Anleitungen gibt´s im Internet.

 

Beim Einkauf von Erde und Rindenmulch in Säcken sind die größeren Gebinde nicht nur preiswerter, es fällt auch anteilig weniger Plastikmüll an. Eventuell kann man sich den Einkauf mit anderen teilen. Plastikfrei lässt sich Erde in größeren Mengen aus dem Kompostierwerk holen, Rindenmulch aus manchen Sägewerken. Auch manche Gärtnereien geben losen Humus und Rindenmulch ab.

 

Düngemittel (auch Biodünger und Effektive Mikroorganismen), werden meist in Kunststoffverpackungen angeboten. Hier lässt sich durch selbst erzeugte Präparate Geld und Plastikmüll sparen. Erste Wahl ist natürlich der eigene Kompost, der ein weites Spektrum an Nährstoffen abdeckt. Der wird dann idealerweise in einem Komposter aus Metall oder Holz erzeugt. Brennnessel-, Borretsch- und Beinwellbrühen und -jauchen ergänzen fehlendes. Nach Gesteinsmehl in Papiersäcken muss man suchen, aber es gibt es. Recht viel mehr braucht es nicht für den Gartenerfolg, auch wenn es uns die einschlägigen Abteilungen der Gartenmärkte anders einreden wollen.

 

Werkzeuge gibt es mit Holzgriffen anstatt Kunststoffgriffen, zumindest bei Handwerkzeugen ist der Gewichtsunterschied unwesentlich. Anstatt Kunststoffkörben können geflochtene Körbe und gebrauchte Obstkisten bei der Ernte helfen. Metallgießkannen sind teurer als solche aus Plastik, halten aber deutlich länger und sehen auch schöner aus. Soll es aus Kosten- oder Gewichtsgründen Kunststoff sein: auch hier auf Qualität achten und vor UV-Strahlung und Frost schützen.

 

Gartenschläuche gibt es aus Kunststoff, Gummi und Naturkautschuk. Letztere sind wieder teurer und auch etwas schwerer zu beschaffen, aber die bessere Wahl. In PVC-Schläuchen sind oft Schwermetalle enthalten und Weichmacher zugesetzt, die sich dann im Gießwasser wiederfinden.

 

Es ginge sicher noch weiter. Beispielsweise Gartenmöbel. Wieviel „Möblierung“ braucht ein Garten? Und muss die so aussehen wie drinnen, nur aus Kunststoff? Und braucht jeder Familienvorgarten das komplette Spielplatzprogramm mit Rutsche, Trampolin und weiteren Geräten aus Kunststoff? Auf Kosten dessen, was eigentlich einen lebendigen Garten ausmachen würde, denn so groß sind viele Gärten nicht mehr, dass alles reinpasst. Nur so als weiteren Denkanstoß..

 

Anregungen & Quellen:  Dr. Manuela P. Gaßner: Parole Plastik sparen, in: kraut & rüben 02/2018; Marianne Scheu-Helgert: Plastik raus aus dem Garten, in: BLW 5/2019; https://www.pfauen-auge.de/2018/08/24/plastik-vermeiden-beim-gaertnern/;  https://altes-gartenwissen.de/garten-ohne-plastik-1/

 

Text: Sabine Habel-Stern

 

 

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